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Qualitätskriterien und Gütesiegel für Weiterbildungsangebote und Bildungsträger

Für den Weiterbildungsbereich existiert eine Vielzahl von Zertifikaten und Gütesiegeln zur Qualitätssicherung. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige gängige Zertifikate und Gütesiegel vor.

Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV)

Will ein Bildungsträger berufliche Weiterbildungen anbieten, die mit einem Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit besucht werden können, muss er sich seit der Neuregelung des SGB III einem zweistufigen Qualitätssicherungsverfahren unterziehen. Die AZAV ersetzt damit die AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung).

Sowohl der Bildungsträger als auch die konkrete Maßnahme oder Veranstaltung müssen zugelassen werden. Dies erfolgt durch fachkundige Stellen (Zertifizierungsstellen), die zentral über die Deutsche Akkreditierungsstelle (www.dakks.de) zugelassen und registriert sind.

Ziel des Verfahrens ist es, mehr Wettbewerb und Transparenz auf dem Weiterbildungsmarkt zu erreichen. Die bisherigen AZWV-Zulassungen behalten ihre Gültigkeit und müssen nach Ablauf als AZAV-Zertifizierung neu beantragt werden.

Weitere Infos zur Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) finden Sie auf den Websites des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsmarkt/Arbeitsfoerderung/akkreditierung.html und der Bundesagentur für Arbeit www.arbeitsagentur.de/nn_164936/zentraler-Content/A05-Berufl-Qualifizierung/A052-Arbeitnehmer/Allgemein/Akkreditierung-und-Zulassung-ab-2012-04-01.html

DIN ISO 9000-Normreihe für Qualitätsmanagement-Systeme

Die Bezeichnung DIN ISO 9000 steht für eine international anerkannte Normenreihe, die Standards für Qualitätsmanagement-Systeme festlegt.

DIN EN ISO 9001:2008

Die DIN EN ISO 9001 in ihrer aktuellen Fassung aus dem Jahr 2008 zählt wohl zu den bekanntesten und weitverbreitetsten Qualitätsmanagement-Zertifizierungen für Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Größe und Ausrichtung.

Das Zertifizierungsverfahren bezieht sich auf die gesamten Prozesse innerhalb eines Unternehmens, bei Bildungsanbietern sind dies beispielsweise die Programmerstellung, Teilnehmerverwaltung und Unterrichtsplanung. Primäres Ziel ist eine höhere Kundenzufriedenheit.

Für Weiterbildungsinteressierte bedeutet die Zertifizierung, dass dem Bildungsträger grundsätzlich an der Qualität seines Angebots gelegen ist und er auch bereit ist, dafür Geld und Zeit zu investieren. Zudem können Teilnehmende davon ausgehen, dass das zertifizierte Unternehmen über gut strukturierte Prozesse verfügt und damit grundsätzlich auch in der Lage ist, eine gute Qualität seiner Produkte anzubieten, zumal ein wesentliches Merkmal der DIN ISO 9000 der Anspruch der kontinuierlichen Verbesserung aller Prozesse ist.

Weitere Informationen zur ISO 9000 im Bildungsbereich finden Sie hier: www.certqua.de

eQuass (European Quality in Social Services)

Die Zertifizierung eQuass ist ein europäisches Kennzeichnungssystem für Qualitätssicherung in Sozialeinrichtungen, entwickelt von der Europäischen Plattform für Rehabilitation. Mit diesem Qualitätsrahmen unterliegen die angebotenen Leistungen von Sozialdiensten einem ständigen Verbesserungsprozess und werden europaweit vergleichbar.

eQuass basiert auf neun Qualitätsprinzipien: Rechte der Teilnehmer, Ethik, Partnerschaft, Kundenorientierung, Teilhabe, Ganzheitlichkeit, Ergebnisorientierung, Kontinuierliche Verbesserung und Führung.

Weitere Infos: www.equass.de

Gütesiegelverbund Weiterbildung

Der Gütesiegelverbund Weiterbildung e. V. mit Sitz in Dortmund ist ein Verbund von staatlich anerkannten Weiterbildungseinrichtungen. Ziel des Vereins ist die Förderung der Qualitätsentwicklung in der Weiterbildung. Dazu hat der Gütesiegelverbund mit seinem Qualitäts-Management-Modell „Gütesiegelverbund Weiterbildung“ ein Branchenmodell für Weiterbildungseinrichtungen entwickelt, das auf deren speziellen Belange ausgerichtet ist.

Es besteht aus sieben Qualitätsbereichen, in denen Standards für die Qualitätsentwicklung festgelegt sind: Einrichtung/Leitbild, Qualitätsziele, Schlüsselprozesse, Qualität der Bildungsarbeit, Teilnehmerschutz, Mitarbeiter/innen-Fortbildung und Evaluation/Controlling. Im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens muss die Einrichtung nachweisen, dass sie alle Standards erfüllt.

Teilnehmende können davon ausgehen, dass Kundenzufriedenheit im Mittelpunkt der Qualitätsbestrebungen der Weiterbildungseinrichtung steht. Zudem hat sich die Einrichtung mit der Zertifizierung verpflichtet, Qualität systematisch weiter zu entwickeln.

Weitere Informationen: www.guetesiegelverbund.de/

Prüfsiegel des Vereins Weiterbildung Hessen e.V.

Der Verein Weiterbildung Hessen e.V. ist ein Zusammenschluss der hessischen Weiterbildungseinrichtungen, die sich mit einem Prüfsiegel für die Qualitätssicherung und den Teilnehmerschutz einsetzen.

Die Qualitätsstandards werden von getrennten Gutachterausschüssen für die Bereiche Berufliche Bildung, Allgemeine Bildung und Politische Bildung ausgearbeitet und vom Vorstand nach der Beratung durch den Beirat beschlossen. Die Qualitätsstandards werden laufend von den Gutachterausschüssen, die vom Vorstand des Vereins berufen werden, überprüft und fortentwickelt.

Das Prüfsiegel können alle hessischen Weiterbildungseinrichtungen erhalten, die sich zur Einhaltung der Qualitätsstandards verpflichten. Erst wenn der Nachweis einwandfreier Qualität erbracht worden ist, wird das Prüfsiegel verliehen. Über die endgültige Aufnahme in den Verein und die Vergabe des Prüfsiegels entscheidet der Vorstand nach Empfehlung der Gutachterausschüsse.

Weitere Infos: www.weiterbildunghessen.de

Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW)

Das Lernerorientierte Qualitätsmodell wurde speziell für die Weiterbildungsbranche entwickelt. Im Mittelpunkt stehen die Teilnehmer/innen. Ausgangs- und Bezugspunkt des Modells ist dabei der konkrete Lernprozess in einer Weiterbildung.

Das Verfahren der Qualitätsentwicklung und –testierung umfasst neben der Untersuchung der Infrastruktur, Führung, Personal, Controlling, Kundenkommunikation, auch Schlüsselprozesse, Lehr-Lern-Prozesse und die Evaluation der Bildungsprozesse.

Die Qualität der Organisation wird zunächst in einem Selbstreport nachgewiesen und danach in einer externen Evaluation von Erst- und Zweitgutachtern unabhängig voneinander überprüft. In einem Abschlussworkshop werden strategische Entwicklungsziele vereinbart.

Weitere Infos: www.artset-lqw.de

Total Quality Management (TQM) / EFQM

Total Quality Management (TQM) steht für ein ganzheitliches Managementkonzept, das auf der ISO 9001 basiert und sowohl Mitarbeiter/innen eines Unternehmens wie auch externe Lieferanten in den Qualitätsmanagementprozess einbezieht. Zu seinen Grundprinzipien zählen beispielsweise Kundenorientierung, die Betonung der Verantwortung der Führungsebene, der Anspruch der ständigen Verbesserung sowie Verantwortung im Umgang mit dem Unternehmensumfeld.

Der Prozess zur Qualitätsverbesserung im Rahmen des TQM-Verfahrens ähnelt dem DIN EN ISO 9001 Konzept, endet jedoch nicht mit einer externen Prüfung und der Vergabe eines Zertifikates.

Das bekannteste TQM-Modell ist das EFQM-Modell für Business Excellence der European Foundation for Quality Management. Die Kriterien dieses Modells werden zur Vergabe des wichtigsten deutschen Qualitätspreises, des Ludwig-Erhard-Preises, herangezogen.

Weitere Infos: www.efqm.org/

Zulassung von Fernlehrgängen durch die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU)

In Deutschland muss jeder Fernlehrgang samt Unterrichtsmaterial durch die staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zugelassen werden. Diesen Verbraucherschutz schreibt das Fernunterrichtsschutzgesetz vor. Ohne Zulassung dürfen in Deutschland als Fernunterricht nur so genannte Hobbykurse (d.h. Kurse, die ausschließlich der Freizeitgestaltung dienen) durchgeführt werden.

Zu den Kriterien, die für die Zulassung überprüft werden, zählen:

  • Gestaltung der Verträge
  • Qualifikation der Lehrkräfte
  • Aktualität
  • Gestaltung des Lehrmaterials

Weitere Infos: www.zfu.de